‚Ich hab’s dir doch gesagt – wohin du das Geld gebracht hast, da kannst du auch zu Abend essen! Und übrigens auch frühstücken!‘, rief die Ehefrau und setzte sich mit ihrer Strickarbeit in den Sessel.

**Tagebucheintrag**

Ich habs dir ja gesagt: Wohin das Geld geht, dahin gehst du auch essen! Und frühstücken übrigens auch, erklärte meine Frau und setzte sich mit ihrer Strickarbeit in den Sessel.

Leni! Bist du da? rief ich, als ich die Wohnung betrat.

Ich bin in der Küche, antwortete Ludmila.

Heute war sie früher nach Hause gekommen und hatte schon mit dem Abendessen begonnen. Ich zog mich aus, wusch mir die Hände und ging in die Küche.

Warum erzählst du nichts? fragte ich.

Interessant. Wovon sollte ich denn erzählen? wunderte sie sich.

Ich bin auf dem Heimweg Rita aus deiner Abteilung begegnet. Sie meinte, ihr hättet heute die Quartalsprämie überwiesen bekommen. Eine stattliche Summe.

Stimmt, haben wir. Aber warum freust du dich darüber?

Warum? Ich habe dir doch gestern gesagt, dass Mutter angerufen hat. Zoe braucht Hilfe mit der Hypothek. Du sagtest, wir hätten kein Geld. Jetzt haben wir welches. Lass uns Zoe zehntausend Euro schicken.

Zu welchem Anlass? fragte Ludmila kühl.

Mach dich nicht lächerlich. Du weißt doch, dass Zoe allein mit der Hypothek kämpft. Ich ruf Mutter gleich an und sag ihr, dass wir das Geld überweisen. Ich griff schon zum Telefon.

Halt! Stopp! Habe ich irgendwo gesagt, dass ich bereit bin, die Hypothek deiner Schwester zu zahlen?

Warum nicht helfen, wenn wir das Geld haben?

Erstens: Das Geld haben nicht wir, sondern ich. Es ist meine Prämie, die ich mir in drei Monaten harter Arbeit verdient habe!

Denkst du, Max, ich habe mich für Zoes Wohl abgerackert? Gibt es sonst keinen Sinn in meiner Arbeit?

Aber Leni, sie hat Kinder!

Max, ich habe auch ein Kind. Viktoria, unsere Tochter. Falls du dich erinnerst, studiert sie im zweiten Semester und wohnt in einer WG in einer fremden Stadt. Ich schicke ihr jeden Monat Geld. Hast du ihr in den letzten zwei Jahren auch nur einen Cent gegeben?

Ich wusste doch, dass du ihr schickst.

Vielleicht würde sie sich freuen, auch mal tausend Euro von ihrem Vater für neue Strümpfe zu bekommen? Deine Schwester hätte vor der Hypothek überlegen sollen, ob sie sie stemmen kann.

Die Bank hat es genehmigt, erinnerte ich sie.

Genau. Die Bank hat kluge Leute, die rechnen können. Wenn es Zoe nicht reicht, gibt sie das Geld falsch aus zu oft im Nagelstudio oder Café, statt die Raten zu zahlen. Dafür werde ich nicht aufkommen!

Am Abend hörte ich, wie Ludmila Mutter anrief und ihr achttausend Euro überwies.

Interessant: Für Zoe kein Geld, aber für Mutter kein Problem, murrte ich.

Ja, Max. Mutters Prothese ist kaputt, sie muss zum Zahnarzt. Ihre Rente ist klein. Außerdem ist sie meine Mutter, und Zoe ist mir fremd.

Zoe ist meine Schwester!

Richtig: deine, nicht meine. Also was willst du von mir?

Na gut, übermorgen ist Gehalt. Dann schicke ich Zoe selbst das Geld.

Bitte. Aber vergiss nicht, wie immer zehntausend auf das Haushaltskonto.

Leni, ist das nicht zu viel? Gehts nicht weniger?

Klar. Dann gibts Nudeln mit Ketchup statt Schnitzel. Oder wir zahlen keine Nebenkosten und kaufen kein Waschpulver. Sie lächelte spitz.

Kann man nicht sparsamer haushalten, damit für alles reicht?

Versuchs. Wenns klappt, lerne ich von dir.

Das Gespräch endete. Aber ich dachte, Ludmila würde ihre Drohung nicht wahr machen und überwies fast mein ganzes Gehalt an Zoe.

Ein Fehler. Als ich am nächsten Tag heimkam, war die Küche leer.

Leni, was gibts zu essen?

Schau im Kühlschrank.

Dort stand nur eine einsame Ketchupflasche und zwei schrumpelige Äpfel.

Leni, da ist nichts.

Wirklich? Was soll da sein? Hast du etwas reingelegt?, fragte sie. Weißt du nicht, dass man erst etwas hineinlegen muss, bevor man etwas herausnehmen kann?

Ich hab Hunger, jammerte ich.

Ich weiß. Aber ich habs dir gesagt: Wohin das Geld geht, dahin gehst du essen. Sie nahm ihre Stricknadeln wieder auf.

Ich fuhr zu Mutter.

Am nächsten Tag erschien Schwiegermutter Nina, um Ludmila zu belehren. Nach einer langen Standpauke sagte meine Frau:

Sie haben sich umsonst Mühe gegeben, Nina. Ich weiß, dass ich eine schlechte Ehefrau bin. Soll Max zu Ihnen ziehen?

Red keinen Unsinn! Verheiratet sein heißt zusammenleben!

Alles klar. Nur ich bin schuld! Die Wohnung ist gut, mein Gehalt auch, die Prämie auch! Nur teilen will ich nicht weder mit Ihnen noch mit Zoe!

Also räumst du meinem Sohn die Taschen leer? Dann versorgt ihn diesen Monat selbst. Aber vergiss nicht: Er mag keine Würstchen. Und von Hähnchen dreht er sich weg. Zum Abendessen gibts Schnitzel mit Bratkartoffeln und Salat. Vielleicht Kohlrouladen mit viel Fleisch. Und seine Wäsche wäschst du auch.

Ludmila, bist du verrückt? Ihr habt doch früher auch gelebt!

Stimmt. Bis Sie sich eingemischt haben. Sie haben Zoe und Grischa getrennt jetzt sind wir dran.

Was laberst du da? Wen habe ich getrennt?

Wer sonst? Sie haben Zoe eingeredet: Grischa ist so, Grischa ist so! Er verdient wenig, respektiert dich nicht, die Wohnung ist klein! Grischa hatte die Nase voll und haute ab. Jetzt sitzt Zoe allein mit zwei Kindern und der Hypothek. Zufrieden?

Aber nein! Jetzt langweilen Sie sich und mischen sich bei uns ein. Aber ich bin nicht Grischa ich halte nicht lange durch. Hier, nehmen Sie Max zurück. Wer könnte sich besser um ihn kümmern als seine Mutter?

Leni, so war das nicht! Ich will mich nicht trennen! Mutter hat nur vorgeschlagen, Zoe zu helfen, versuchte ich mich zu rechtfertigen.

Geholfen? Dann leb bis zum nächsten Gehalt bei Mutter oder Zoe. Ich überlege es mir.

Und ich merkte: Sie meinte es ernst. Den ganzen Monat blieb ich bei Mutter.

Am Fünften kam ich nach Hause.

Leni, ich habe das Gehalt überwiesen. Und Viktoria auch dreitausend geschickt.

Aus der Küche duftete verlockend süß-saure Schweinebraten.

Händewaschen und zu Tisch, lächelte Ludmila. Oder gehst du zurück zu Mutter?

Ich schüttelte panisch den Kopf. Die Angst schnürte mir die Kehle zu. Und sie verstand: Worte waren unnötig.

Manche Lektionen wirken sofort und bleiben lange hängen. Und falls ich sie vergesse, wird sie mich gern daran erinnern. Da hat sie sich den Falschen ausgesucht!

**Lehre:** Wer den Haushalt nicht wertschätzt, isst Nudeln mit Ketchup.

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Fajna Tajna
‚Ich hab’s dir doch gesagt – wohin du das Geld gebracht hast, da kannst du auch zu Abend essen! Und übrigens auch frühstücken!‘, rief die Ehefrau und setzte sich mit ihrer Strickarbeit in den Sessel.