Der Geruch von Zwiebeln, Wurst und altem Brot stieg Claudia sofort in die Nase. Das kleine Café in Leipzig roch eigentlich nach Kaffee und frischem Käsekuchen. Doch Thomas hatte gerade ein Paket in Alufolie auf dem Tisch geöffnet, als säßen sie auf einer Parkbank.

Der Geruch von Zwiebeln, Wurst und altem Brot stieg Claudia sofort in die Nase. Das kleine Café in Leipzig roch eigentlich nach Kaffee und frischem Käsekuchen. Doch Thomas hatte gerade ein Paket in Alufolie auf dem Tisch geöffnet, als säßen sie auf einer Parkbank.

In der Folie lagen zwei dicke Brote. Wurst, Zwiebeln, Butter. Thomas nahm eines heraus und biss hinein.

Die Kellnerin blieb mit den Karten in der Hand stehen.

— Entschuldigung, aber mitgebrachtes Essen ist hier nicht erlaubt.

Thomas sah sie an.

— Ich bestelle ja nichts. Ich sitze nur hier mit der Dame.

Claudia spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde.

— Thomas, vielleicht bestellen wir einfach Kaffee.

— Wozu? Der Kaffee hier kostet so viel wie ein halbes Pfund im Supermarkt.

— Wir sind bei einem Date.

— Und? Muss man bei einem Date Geld verbrennen?

Er schob das zweite Brot zu ihr.

— Nimm. Ich habe auch eins für dich gemacht.

Claudia starrte auf die Folie. Sie dachte an Sabines Lippenstift, an die Ohrringe, an die kleine Hoffnung, die sie sich erlaubt hatte. An das Gefühl, vielleicht doch noch einmal einem vernünftigen Mann zu begegnen.

Thomas hatte sie nicht einmal begrüßt wie jemanden, auf den er sich freute.

Er hatte sie gemustert. Dann sein Brot ausgepackt.

— Nein danke. Ich bestelle einen Latte.

Thomas verzog das Gesicht.

— Aha. So eine bist du also.

— Was heißt das?

— Eine Frau, die erwartet, dass ein Mann bezahlt. Cafés, Blumen, Geschenke.

Claudia sah ihn ruhig an.

— Nein. Ich erwarte, dass ein Mann beim ersten Date nicht sein Wurstbrot auf einem Cafétisch auspackt und dann noch die Kellnerin belehrt.

Er lachte spöttisch.

— In deinem Alter sollte man vielleicht nicht mehr so wählerisch sein.

Der Satz hätte weh tun sollen. Vielleicht hätte er das früher auch. Aber in diesem Moment wurde Claudia ganz still.

— Doch, Thomas. Gerade in meinem Alter sollte man wählerisch sein. Weil man schon genug Zeit an falschen Tischen verbracht hat.

Sie stand auf.

— Du gehst?

— Ja.

— Wegen eines Brotes?

— Wegen mangelnden Respekts.

Sie bezahlte den Kaffee, den sie kaum angerührt hatte, und verließ das Café. Draußen fuhr eine Straßenbahn vorbei. Claudia blieb einen Moment stehen und atmete die kühle Luft ein.

Sie wartete auf Enttäuschung. Auf Scham. Auf dieses alte Gefühl, “zu viel” gewesen zu sein.

Aber es kam nicht.

Es kam Erleichterung.

Am Abend schrieb Thomas:

“Kein Wunder, dass du allein bist.”

Claudia las es und antwortete nicht. Sie blockierte ihn.

Sabine hörte die Geschichte später am Telefon.

— Er hat ein Wurstbrot mitgebracht? Mit Zwiebeln?

— Ja.

— Claudia, das ist kein Date, das ist ein Warnschild mit Folie.

Claudia musste lachen.

Und doch wurde ihr danach ernst.

Früher wäre sie geblieben. Aus Höflichkeit. Aus Unsicherheit. Aus Angst, hart zu wirken. Sie hätte gelächelt, obwohl sie sich unwohl fühlte. Hätte gedacht: “Vielleicht ist er einfach sparsam.”

Aber Sparsamkeit demütigt andere nicht. Sparsamkeit missachtet keine Regeln. Sparsamkeit macht aus einer Frau keine Zuschauerin für die eigene Gleichgültigkeit.

Thomas hatte ihr schnell gezeigt, wer er war.

Und Claudia hatte sich selbst gezeigt, wer sie geworden war.

Eine Frau, die gehen kann.

Nicht wütend. Nicht dramatisch.

Nur klar.

Und manchmal ist Klarheit das schönste Geschenk, das ein schlechtes Date bringen kann.

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Fajna Tajna
Der Geruch von Zwiebeln, Wurst und altem Brot stieg Claudia sofort in die Nase. Das kleine Café in Leipzig roch eigentlich nach Kaffee und frischem Käsekuchen. Doch Thomas hatte gerade ein Paket in Alufolie auf dem Tisch geöffnet, als säßen sie auf einer Parkbank.