Der arme Miezi: Wieder rausgeworfen – schon zum dritten Mal in seinem kurzen Leben. Ein echter Pechvogel!

Felix wurde rausgeworfen. Wieder. Zum dritten Mal in seinem kurzen Leben. Ihm schien einfach kein Glück beschieden zu sein.

Er war gerade erst ein Jahr alt, doch schon drei Familien hatten ihn abgeschoben. Nun ja, nicht direkt abgeschoben. Zuerst wurde er von Hand zu Hand gereicht. Und dann.

Dann trugen sie ihn einfach vor die Tür, gingen ein Stück vom Haus weg und setzten ihn in eine Mülltonne. Dann liefen sie davon, damit er den Weg nicht zurückfinden konnte. Doch er suchte ihn auch nicht.

Er hatte alles verstanden. Sofort verstanden. Am Gesichtsausdruck des Mannes. Seine Frau war sehr aufgebracht, als Felix das neue Ledersofa zerkratzt hatte.

Es war sehr teuer gewesen. Sie fällte das Urteil. Und der Mann? Was sollte der Mann tun? Er stimmte ihr ohnehin immer in allem zu.

Er nahm den einjährigen Kater unter den Arm und ging zum Müllcontainer im Nachbarhof. Felix wäre ihm nicht hinterhergelaufen. Nein, bestimmt nicht. Er hatte das Urteil in den Augen des Mannes gesehen und verstanden.

Es war sinnlos. Er hätte sich wenigstens verabschieden können. Ihn zum Abschied streicheln. Sich entschuldigen. Aber so.

Es war einfach unmenschlich. Als hätte man einfach einen Eimer Müll ausgeschüttet.

Felix seufzte und versuchte, im Müll etwas Essbares zu finden, knabberte an alten Hühnchenresten. Er kletterte heraus und setzte sich neben den großen grünen Container. Er blickte in die Sonne.

Er blinzelte, wandte sich aber nicht ab. Von dieser großen, hellen Scheibe ging Wärme aus. Und das gefiel ihm sehr.

Es waren die letzten Sonnenstrahlen. Strahlen des Sommers, des Herbstes, des Winters. Eine kleine Erwärmung. Und eine dünne Eisschicht schmolz.

Doch in Felix’ Seele war sie gefroren.

Abend und Nacht waren kalt. Nach Sonnenuntergang. Wind und Frost gingen ihrer Arbeit nach.

Der rote Kater fror. Er hatte keine Ahnung, wohin er gehen oder wie er sich verstecken sollte. Also.

Er fand einen großen Haufen welker, rostroter Blätter und kroch hinein. Kugelte sich zusammen. Zuerst war es eiskalt, und er zitterte, doch dann.

Dann, als sein rotes Fell im eisigen Wind steif geworden war, wurde ihm irgendwie wärmer, und das Zittern ließ nach. Eine Stimme in der Tiefe flüsterte ihm freundliche Worte zu.

Sie wiegten ihn in den Schlaf und forderten ihn auf, die Augen zu schließen und all das Leid und Unglück zu vergessen.

“Roll dich noch enger zusammen und schlaf. Schlaf, schlaf, schlaf.” Er spürte die Wärme.

Sie breitete sich in seinem erstarrten Körper aus.

Es war so einfach. Man musste nur aufgeben, dann würde alles vorübergehen. Dann kämen Ruhe und Ewigkeit. Der Ärger und das Leid würden verschwinden.

Felix seufzte ein letztes Mal und willigte ein. Wofür sollte er kämpfen? Wozu?

Morgen würde ihn doch wieder dieselbe Kälte und derselbe Hunger erwarten. Und derselbe Wunsch, die Augen zu schließen und sie nie, nie wieder zu öffnen.

Die Straßenlaternen flammten zuerst in der Ferne auf. Und Felix warf einen letzten Blick auf sie. Oft hatte er ihr Licht vom Fenster aus beobachtet. Der rote Kater nahm dieses Licht ein letztes Mal in sich auf, und seine Augen leuchteten in der dunkler werdenden Nacht.

Dieser letzte Lichtschein erregte die Aufmerksamkeit eines kleinen rothaarigen Mädchens. Sie ging mit ihrem Vater nach Hause. Sie zupfte ihn am Ärmel.

“Da”, sagte sie. “Da in den Blättern ist jemand.”

“Da ist niemand”, brummte der Vater vor Kälte. “Komm, wir gehen schnell nach Hause. Ich friere.”

Er versuchte, sie von dem großen, dunklen Laubhaufen wegzuziehen. Das rothaarige Mädchen zuckte mit den Schultern.

“Ich habe es gesehen. Ich habe Licht gesehen.”

“Licht in einem Haufen alter Blätter?”, wunderte sich der Vater. “Das gibt es nicht. Das kann nicht sein.”

Doch das Mädchen war schon dort und wühlte die oberste Schicht beiseite. Da lag er. Der rote Kater.

“Papa!”, rief sie.

“Siehst du? Er ist es.”

“Wer ist es?”, fragte der Vater verwundert und trat näher.

“Er ist es”, sagte das Mädchen und versuchte, den erstarrten Körper hochzuheben.

“Lass ihn”, sagte der Vater.

“Er ist schon tot. Wir können doch keinen toten Kater mit nach Hause nehmen.”

“Er ist nicht tot”, antwortete das rothaarige Mädchen. “Ich weiß es. Ich weiß es. Er lebt. Ich habe das Licht in seinen Augen gesehen.”

“Licht in den Augen eines Katers?”, zuckte der Vater mit den Schultern.

Er trat noch näher, hob den Körper hoch und versuchte, einen Herzschlag zu spüren.

Doch Felix wollte nur noch schlafen. So sehr. Der Schlaf klebte seine Lider zu, und Wärme durchflutete seinen Körper. Die Stimme in ihm flüsterte:

“Schlaf, schlaf, schlaf … Öffne die Augen nicht.”

Doch diese andere Stimme. Diese dünne, kindliche Stimme beharrte immer wieder darauf:

“Das Licht in seinen Augen.”

“Was wollen sie von mir? Warum quälen sie mich? Warum lassen sie mich nicht in Ruhe einschlafen?”

Mit letzter Kraft öffnete er die Augen, um diejenigen zu sehen, die ihn noch jetzt störten.

“Da!”, rief die kindliche Stimme. “Da! Ich habe es doch gesagt. Hast du es gesehen? Wieder. Das Licht!”

“Was für ein Licht?”, wunderte sich der Vater, aber. Er zog seine Jacke aus, wickelte den roten Körper darin ein und ging Richtung Haus.

Die Tochter lief neben ihm. Sie drängte ihn.

“Papa, Paps. Bitte, schnell. Ihm ist so kalt.”

Sie verschwanden im Hauseingang, und dann. In den Fenstern im fünften Stock ging Licht an.

Felix wurde in warmem Wasser gebadet und mit erwärmter Milch getränkt. Und das Mädchen. Das Mädchen flehte ihn an.

“Stirb nicht. Bitte, stirb nicht.”

Und das Eis in seinem Fell schmolz. Und in seiner Seele schmolz es.

Und der große rote Kater staunte. Wie der Vater und die Tochter sich um ihn kümmerten. Er war nun wach, und jetzt war ihm wirklich warm.

Wärme erfüllte sein ganzes Wesen. Nein, nicht die Wärme der Heizung. Die Wärme eines kleinen Kinderherzens.

Und draußen stand er. Derjenige, der manchmal zur Hilfe kommt.

Er stand da und blickte zu den erleuchteten Fenstern im fünften Stock.

Er stand da und sagte:

“Alles, was ich kann. Alles, was ich kann.”

Er stand noch eine Weile, dachte nach und fügte hinzu:

“Das Licht nicht jeder sieht es. Nicht jeder. Und nicht jeder, der es sieht, kann es bewahren.”

Und Felix, der das rothaarige Mädchen ansah, dachte nicht an die Größe des Menschen. Über solche Dinge denken Menschen nach. Er dachte an sein eigenes.

Er sah das Licht. Das Licht in ihren Augen.

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Fajna Tajna
Der arme Miezi: Wieder rausgeworfen – schon zum dritten Mal in seinem kurzen Leben. Ein echter Pechvogel!