Marc konnte in dieser Nacht keinen Schlaf finden.

Markus konnte in jener Nacht nicht schlafen. Das Bild der Frau vor der Bäckerei ließ ihm keine Ruhe. Es kehrte immer wieder in seinen Gedanken zurück nicht nur ihr Gesicht, sondern vor allem ihr Blick, in dem sich Müdigkeit, Scham und eine noch lebendige Würde mischten. Er wusste, er musste schnell handeln.

Am nächsten Morgen, noch bevor die Sonne aufging, schaltete er sein Telefon stumm, zog seinen Mantel an und trat hinaus in die winterliche Kälte. Die Stadt war fast leer, nur ein paar eilige Passanten und Müllwerker waren unterwegs. Markus ging zur Bäckerei, wo er die alte Frau am Tag zuvor gesehen hatte. Die Verkäuferin, dieselbe Frau mit dem kühlen Blick, hob kaum die Augen von ihren routinierten Vorbereitungen.

Haben Sie die alte Frau von gestern gesehen?, fragte Markus direkt.

Viele alte Frauen kommen hierher, zuckte sie mit den Schultern. Wenn Sie die mit den Flaschen meinen, kommt sie, wenn der Pfandautomat öffnet. So gegen neun, vielleicht zehn.

Markus dankte knapp und beschloss zu warten.

Die Zeit verging langsam. Die Kälte biss in seine Wangen, doch der Gedanke an Margarete wärmte ihn mehr als jeder dicke Mantel. Er erinnerte sich, wie sie ihm als schüchternem Jungen zusätzliche Aufgaben gab, damit er sich entwickle, und ihn nach dem Unterricht ins Lehrerzimmer bat zum Bücher sortieren, Tafel wischen oder Stifte ordnen. Zum Schluss drückte sie ihm immer eine Tüte mit warmem Brot oder ein großes Stück selbstgemachten Kuchen in die Hand.

Gegen Viertel vor neun tauchte am Ende der Straße eine gebrechliche Gestalt auf, mit unsicheren, kleinen Schritten. Sie trug dieselbe abgenutzte Tasche, ging leicht gebückt, als wäre jeder Schritt eine Qual. Markus spürte einen Kloß im Hals.

Margarete!, rief er und vergaß für einen Moment alles um sich herum.

Die Frau zuckte zusammen und blieb stehen. Sie musterte ihn lange, als versuche sie zu begreifen, wer dieser gut gekleidete Mann war, der ihren Namen so voller Emotion aussprach.

Ich bin Markus, sagte er und trat näher. Markus Bauer Ihr Schüler, vor vielen Jahren.

Ihr Gesicht hellte sich kurz auf, doch dann wurde ihr Blick vorsichtig.

Markus der Junge, der immer, begann sie, doch ihre Stimme zerbrach.

Ja, der, der immer sein Matheheft vergaß, aber nie das Brot, das Sie ihm gaben, antwortete er lächelnd. Frau Lehrerin, Sie müssen mit mir kommen. Ich kann Sie nicht hier in der Kälte lassen.

Ich will niemandem zur Last fallen, murmelte sie. Ich habe so lange allein gelebt

Sie waren alles für mich, entgegnete Markus bestimmt. Ohne Sie wüsste ich nicht, wo ich heute wäre. Sie haben mich vor Hunger, vor Kälte, vor vielem beschützt. Und jetzt bin ich an der Reihe.

Ohne ihr Zeit zum Widerspruch zu lassen, nahm er ihr die Tasche ab und führte sie zum Auto. Drinnen seufzte sie leise, als die Wärme der Heizung sie umfing. Sie schaute schweigend aus dem Fenster, doch ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Markus brachte sie direkt nach Hause, zur Überraschung von Anna, die gerade Frühstück für die Kinder machte.

Anna, das ist Frau Margarete, meine alte Lehrerin. Die Frau, die mir ge

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Fajna Tajna
Marc konnte in dieser Nacht keinen Schlaf finden.