Lena legte ein Schreiben auf den Tisch.

Lena legte ein Schreiben auf den Tisch.

Es stammte von einer Kanzlei. Darin ging es um eine Gesellschaft, an der ich angeblich beteiligt war.

Mein gesamtes Erspartes sollte als Kapital für den Kauf eines leerstehenden Gasthofs verwendet werden.

— Ich habe keinem Kauf zugestimmt.

Melanie verschränkte die Arme.

— Du hast Lena eine Vollmacht gegeben.

Das stimmte. Vor Jahren hatte ich ihr eine Vollmacht erteilt, damit sie im Notfall Rechnungen und Versicherungen für mich regeln konnte.

Sie hatte diese Vollmacht zusammen mit ihrem Freund genutzt, um in meinem Namen einer Unternehmensgründung zuzustimmen.

Der Gasthof sollte zu einem Veranstaltungsort umgebaut werden.

Es gab weder einen tragfähigen Plan noch Genehmigungen. Der Verkäufer verlangte jedoch bereits eine hohe Anzahlung.

— Ihr habt über mein gesamtes Geld entschieden.

Lena begann zu weinen.

— Wir wollten endlich etwas Eigenes aufbauen.

— Mit etwas Eigenem meint man normalerweise nicht das Geld eines anderen.

Ich widerrief die Vollmacht und suchte einen Anwalt auf. Weil der Kaufvertrag noch nicht vollständig abgeschlossen war, konnte ein Teil der Überweisung gestoppt werden.

Ein erheblicher Betrag war jedoch bereits verloren.

Lenas Freund verschwand, sobald klar wurde, dass kein weiteres Geld folgen würde.

Melanie reagierte wütend.

— Du kommst nach zehn Jahren zurück und behandelst uns wie Betrügerinnen.

— Ihr habt meine Unterschrift nicht gefälscht. Aber ihr habt mein Vertrauen benutzt. Das ist nicht viel besser.

Ich kündigte die Wohnung, die ich für beide bezahlte. Lena musste sich eine Arbeit suchen. Melanie bekam drei Monate Zeit, ihr Studium wieder aufzunehmen oder ebenfalls arbeiten zu gehen.

Meine Tante zog wieder in ihre eigene Wohnung. Zum ersten Mal erzählte sie mir, wie oft die Mädchen sie angeschrien oder unter Druck gesetzt hatten.

Das zu hören war schwer.

Ich hatte geglaubt, sie durch meine Überweisungen zu schützen. In Wahrheit hatte ich ihnen beigebracht, dass immer jemand die Folgen übernimmt.

Lena fand Arbeit in einer Bäckerei. Melanie begann in einem Pflegeheim.

Langsam veränderte sich etwas.

Sie riefen mich nicht mehr nur an, wenn sie Geld brauchten. Manchmal erzählten sie von schwierigen Kunden, müden Füßen oder der Angst, nicht zu wissen, wie es weitergeht.

Ein Jahr später erhielt ich einen Brief von Lena.

Kein langer Text. Nur ein Satz:

„Jetzt verstehe ich, warum du abends oft zu müde zum Reden warst.“

Ich bewahrte den Brief auf.

Nicht weil damit alles vergeben war.

Sondern weil es das erste Mal war, dass eine meiner Töchter wirklich versucht hatte, mein Leben zu sehen.

Am zweiten Jahrestag meiner Rückkehr saßen wir bei meiner Tante im Garten. Melanie hatte Kuchen gebacken. Lena brachte Blumen mit.

— War die Schweiz wenigstens schön? fragte sie.

Ich dachte an die Hotelküche, die kleinen Zimmer und die stillen Feiertage.

— Manches war schön. Aber ich habe zu lange geglaubt, dass Opfer automatisch Liebe beweisen.

Melanie nahm meine Hand.

— Und wir haben zu lange geglaubt, dass Geld automatisch bedeutet, dass alles in Ordnung ist.

Zum ersten Mal widersprach niemand.

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Fajna Tajna
Lena legte ein Schreiben auf den Tisch.