Frau Krüger war überzeugt, dass der Geruch im Treppenhaus aus Wohnung 12 kam.

Frau Krüger war überzeugt, dass der Geruch im Treppenhaus aus Wohnung 12 kam.

Dort lebte die zurückhaltende Rentnerin Helga mit mehreren Katzen.

„Mindestens sieben“, erzählte Frau Krüger jedem Nachbarn. „Das ist doch kein Zuhause mehr.“

Eine Kontrolle der Hausverwaltung blieb ohne Ergebnis. Die Wohnung war sauber, die Tiere gepflegt.

Frau Krüger begann daraufhin selbst zu ermitteln.

Sie führte ein Heft über Helgas Einkäufe und Besucher.

Immer wieder sah sie Verbandsmaterial, Infusionsbeutel und Medikamente aus einer normalen Apotheke.

Dann hörte sie eines Abends einen Mann hinter der Wohnungstür sprechen.

Helga behauptete, der Fernseher sei gelaufen.

Wenige Tage später fiel im gesamten Haus der Strom aus.

Helgas Tür stand offen.

Eine Katze lief in den Flur, miaute und verschwand wieder in der dunklen Wohnung.

Frau Krüger folgte ihr.

Neben dem Sofa lag Helga regungslos. Im Schlafzimmer stand medizinisches Gerät.

Auf dem Bett lag ein abgemagerter Mann.

Als Frau Krüger sein Gesicht beleuchtete, stockte ihr der Atem.

Er war Helgas Bruder, der frühere Richter Martin Weiss, der angeblich vor vier Jahren bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen war.

Auf dem Nachttisch lag ein Brief mit dem Stempel der Staatsanwaltschaft.

Er war an diesem Morgen zugestellt worden.

Frau Krüger rief den Rettungsdienst.

Im Krankenhaus erzählte Helga, was geschehen war.

Martin hatte kurz vor seinem Verschwinden ein Verfahren gegen eine einflussreiche Baugesellschaft geführt. Dabei ging es um Bestechung, manipulierte Gutachten und den Einsturz eines Parkhauses.

Kurz vor der Urteilsverkündung erhielt er Drohungen.

Während einer Fährfahrt verschwand er. Man fand seinen Mantel an Deck und ging von einem Unfall aus.

Tatsächlich war Martin untergetaucht.

Ein Ermittler hatte ihm geraten, sich vorübergehend zu verstecken, nachdem interne Informationen an die Beschuldigten gelangt waren.

Doch die Untersuchung wurde später eingestellt, und niemand holte ihn zurück.

— Warum kam er jetzt wieder? fragte Frau Krüger.

— Er war krank, sagte Helga. Und er wollte seine Aussage beenden.

Der Brief der Staatsanwaltschaft war die Bestätigung eines geheimen Termins. Martin sollte neue Beweise übergeben.

Frau Krüger stellte plötzlich fest, dass ihr Heft nützlich sein konnte.

Sie hatte notiert, dass ein fremder Mann Helgas Wohnung mehrmals beobachtet hatte. Die Uhrzeiten stimmten mit den Daten überein, an denen Martin bedroht worden war.

Die Polizei nahm den Mann später fest. Er arbeitete für einen ehemaligen Geschäftsführer der Baugesellschaft.

Martin konnte noch aussagen.

Das Verfahren wurde wieder aufgenommen.

Er starb wenige Wochen später.

Nach der Beerdigung kehrte Helga in die Wohnung zurück.

Der Geruch war noch immer da.

Frau Krüger bestand auf einer gründlichen Untersuchung. Hinter der Badezimmerwand fand man ein gebrochenes Abwasserrohr.

Die Katzen waren nie die Ursache gewesen.

— Ich habe Ihnen Unrecht getan, sagte Frau Krüger.

Helga sah sie lange an.

— Ja.

Keine schnelle Vergebung.

Keine Umarmung.

Aber als Helga einige Tage später zum Arzt musste, fragte sie:

— Können Sie nach den Katzen sehen?

Frau Krüger nickte.

Von da an führte sie kein Überwachungsheft mehr.

Sie führte einen Schlüsselbund.

Darauf hing auch der Schlüssel zu Wohnung 12.

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Fajna Tajna
Frau Krüger war überzeugt, dass der Geruch im Treppenhaus aus Wohnung 12 kam.