Unter der alten Decke lagen sechs neugeborene Welpen.

Unter der alten Decke lagen sechs neugeborene Welpen.

Fünf von ihnen bewegten sich schwach und drängten sich eng aneinander. Der sechste lag etwas abseits. Sein Körper war beinahe reglos, nur die winzige Brust hob sich in unregelmäßigen Abständen.

Thomas hielt den Atem an.

Plötzlich verstand er die Hündin.

Sie hatte nicht den Schuppen verteidigt.

Sie hatte ihre Jungen bewacht.

— Jens! Komm vorsichtig herein! rief er. — Und niemand beginnt mit dem Abriss!

Der Vorarbeiter schob sich durch die Tür. Als er die Welpen sah, verschwand jede Spur von Ungeduld aus seinem Gesicht.

— Deshalb lag sie die ganze Zeit davor.

Die rotbraune Hündin stand an der Schwelle. Sie knurrte nicht mehr. Ihr Blick folgte jeder Bewegung der Männer, und als Thomas den schwächsten Welpen hochhob, winselte sie leise.

Der kleine Körper war kalt.

— Wir müssen sie sofort hier herausholen.

— Das Dach ist instabil, sagte Jens. — Wir haben nicht viel Zeit.

In diesem Moment knackte eine Latte über ihnen. Holzstaub rieselte von der Decke.

Thomas fand eine alte Kiste, legte einen trockenen Sack hinein und begann, die Welpen vorsichtig hineinzusetzen.

Jens rief die anderen Arbeiter. Einer nach dem anderen wurde aus dem Schuppen getragen.

Die Hündin lief nervös zwischen der Tür und der Kiste hin und her. Sie beschnupperte jedes Junge und kehrte sofort zum Eingang zurück.

Als Thomas nach dem letzten Welpen griff, brach über ihm ein Stück des Daches ein.

Eine schwere Balkenkonstruktion fiel vor die Tür.

— Thomas! schrie Jens.

Der Schuppen füllte sich mit Staub.

Thomas presste den Welpen an seine Brust und versuchte, die Balken wegzuschieben. Sie bewegten sich kaum.

Draußen begann die Hündin wie besessen zu graben. Ihre Krallen rissen über Holz und Erde. Sie biss in die morschen Bretter und winselte ununterbrochen.

— Brechstangen her! befahl Jens.

Die Männer setzten die Werkzeuge an. Gemeinsam hoben sie den Balken Zentimeter für Zentimeter an.

Thomas kroch durch die schmale Öffnung.

Als er draußen war, kam die Hündin sofort zu ihm. Sie leckte zuerst den Kopf des Welpen und dann seine Hand.

Thomas setzte sich auf den Boden.

— Du hast uns gewarnt, sagte er. — Wir wollten nur nicht zuhören.

In einer Tierklinik in Leipzig wurden die Tiere untersucht.

Der schwächste Welpe kam auf eine Wärmematte und erhielt Flüssigkeit. Die Mutter war stark unterernährt, hatte aber keine schweren Verletzungen.

— Sie hat vermutlich vor wenigen Tagen geboren, erklärte die Tierärztin. — Der Schuppen war für sie Schutz vor Wind und Regen.

— Wird der Kleine überleben?

— Das kann ich noch nicht versprechen.

Thomas blieb im Wartebereich.

Jens rief mehrmals an, um nachzufragen. Der Bauschuttcontainer stand weiter vor dem Grundstück, und der gesamte Zeitplan war durcheinandergeraten.

Doch keiner der Arbeiter beschwerte sich.

Am Nachmittag kam die Tierärztin zurück.

— Die Körpertemperatur steigt. Er trinkt ein wenig. Das ist ein gutes Zeichen.

Thomas atmete tief aus.

— Und die Hündin?

— Sie weigert sich zu fressen, solange sie nicht alle Welpen sieht. Sobald wir die Kiste näher stellen, beruhigt sie sich.

Thomas sah durch die Glastür, wie sich die Hündin um ihre Jungen legte. Sie war erschöpft, aber ihre Augen blieben wach.

Am nächsten Tag sagte Thomas den Abriss ab.

Zuerst entfernten Jens und seine Leute die gefährlichsten Teile des Daches. Danach bauten sie an einer sicheren Stelle auf dem Grundstück einen provisorischen Unterstand.

— Wir wurden für einen Abriss bestellt und bauen jetzt eine Hundestation, sagte Jens.

— Die Rechnung bleibt dieselbe.

— Darum geht es nicht.

Als die Hündin und die Welpen aus der Klinik zurückkamen, führte Thomas sie zu dem neuen Platz.

Die Hündin prüfte die Wände, den Boden und die Decken. Dann legte sie sich hin und ließ die Welpen trinken.

Thomas nannte sie Frieda.

In den folgenden Wochen kam er jeden Morgen mit Futter und frischem Wasser. Frieda hielt zunächst Abstand. Sie beobachtete jede seiner Bewegungen.

Nach einigen Tagen nahm sie ein Stück Fleisch aus seiner Hand.

Später ließ sie ihn einen Welpen hochheben, ohne unruhig zu werden.

Der schwächste Welpe erholte sich vollständig. Ausgerechnet er wurde der kräftigste und lauteste von allen.

Jens nannte ihn Balko.

— Wegen des Balkens, erklärte er. — Und weil er stärker ist, als er aussieht.

Als die Welpen alt genug waren, suchte Thomas sorgfältig nach Familien.

Er besuchte einige Interessenten persönlich. Menschen, die einen Hund nur als Wachposten an einer Kette wollten, lehnte er ab.

— Früher hättest du dir dafür keine Zeit genommen, bemerkte Jens.

— Früher hätte ich beinahe einen Schuppen abreißen lassen, ohne hineinzusehen.

Balko kam zu einer Familie mit zwei Kindern. Auf dem ersten Foto, das Thomas erhielt, lag der Hund auf einem Teppich zwischen Spielzeug und sah aus, als hätte er nie etwas anderes gekannt.

Auch die anderen Welpen fanden gute Plätze.

Frieda blieb bei Thomas.

Als der alte Schuppen schließlich abgerissen wurde, stand sie neben dem Zaun und beobachtete ruhig die Arbeit. Sie wusste offenbar, dass dort nichts mehr zurückgeblieben war.

Thomas ließ an der Stelle eine kleine Werkstatt errichten. Für Frieda baute er eine isolierte Hütte mit weicher Decke.

Sie schlief trotzdem meistens vor seiner Haustür.

Von dort aus konnte sie das gesamte Grundstück überblicken.

Wenn Jens später neuen Kollegen erzählte, dass vier Männer von einer einzigen streunenden Hündin aufgehalten worden waren, musste Thomas lächeln.

Denn er wusste inzwischen, dass Frieda kein Hindernis gewesen war.

Sie war die Einzige gewesen, die wusste, was in dem dunklen Schuppen lag.

Und sie hatte lange genug durchgehalten, bis ein Mensch bereit war, nicht nur ihre Zähne, sondern auch ihre Angst zu sehen.

Manchmal steht uns etwas im Weg, weil wir langsamer werden sollen.

Nicht jede Verzögerung ist ein Verlust.

Manche retten Leben.

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Fajna Tajna
Unter der alten Decke lagen sechs neugeborene Welpen.