— Nimm ihn mit nach Hause, sagte Martin. — Ich habe ihn nicht für ihn mitgenommen, sondern für mich.
Julia nahm die Transportbox entgegen.
— Und was musst du mir noch sagen?
— Dass ich München angenommen habe, bevor wir endgültig beschlossen hatten, uns zu trennen.
Ihr Gesicht wurde hart.
— Du hattest deine Flucht also schon vorbereitet.
— Ja.
— Warum?
— Weil ich Angst hatte, du würdest mich bitten zu bleiben. Und ich hätte nicht gewusst, ob ich aus Liebe bleibe oder aus Feigheit.
Julia schwieg.
Die Zugtüren begannen sich zu schließen.
— Fahr, sagte sie. — Diesmal wenigstens ehrlich.
Martin stieg ein.
Streicher blieb bei Julia.
In München lernte Martin, dass eine neue Stadt keine alten Muster auslöscht. Er arbeitete zu viel, vermied leere Abende und erzählte Kollegen, die Trennung sei vernünftig gewesen.
Nachts wusste er, dass das nur die halbe Wahrheit war.
Julia und er fanden keinen Weg zurück zueinander.
Doch sie fanden einen respektvollen Weg auseinander.
Streicher blieb in Berlin, in der vertrauten Wohnung und auf seiner sonnigen Fensterbank. Martin besuchte ihn, wenn er in der Stadt war, und übernahm weiterhin einen Teil der Kosten.
Zwei Jahre später saß Martin wieder auf Julias Sofa. Streicher lag auf seinem Schoß und schnurrte, als wäre keine Zeit vergangen.
Julia hatte ein neues Leben. Martin ebenfalls.
Es tat weh, aber es war kein grausamer Schmerz mehr.
— Damals am Bahnhof hast du zum ersten Mal nicht nur an dich gedacht, sagte Julia.
Martin strich Streicher über das Fell.
— Zu spät für uns.
— Vielleicht. Aber nicht zu spät, um ein besserer Mensch zu werden.
Martin nickte.
Nicht jede richtige Entscheidung rettet eine Beziehung.
Manche retten nur das, was von Würde, Fürsorge und Verantwortung übrig geblieben ist.
Auch das ist viel.
